121 - Klaus Nomi
Shownotes
Wer war Klaus Sperber hinter der Kunstfigur Klaus Nomi?
In dieser Episode von Lecker KUNST – leicht verständlich spreche ich mit der Autorin Monika Hempel, die für ihre Biografie Klaus Nomi – Stimme im Orbit tief in das Leben des deutschen Ausnahmekünstlers eingetaucht ist.
Wir sprechen über:
- Klaus Sperbers Weg vom Allgäu über das Ruhrgebiet und West-Berlin nach New York
- die Entstehung der Kunstfigur Klaus Nomi
- seine außergewöhnliche Verbindung von Oper, New Wave, Mode und Performance
- seine Begegnung mit David Bowie
- seinen rasanten Erfolg und sein tragisches Lebensende 1983
Gast: Monika Hempel
Buch: Klaus Nomi – Stimme im Orbit, Reiffer Verlag, 2024
Mehr Nomi unter: https://www.youtube.com/watch?v=nKYJ4ppgGKY&utm_source=chatgpt.com
Transkript anzeigen
00:00:00: Also dieser Auftritt in München, wo er den Colson gesungen hat.
00:00:04: Das war sein letzter offizieller öffentlicher Auftritt dann gewesen und da war er... Eber hat schöner, der das organisiert hat.
00:00:13: Er hat ihm gesagt, da war Klaus schon sehr geschwächt und als er ihn noch mal das kommende Jahr in New York besucht hat, war ja also wirklich schockiert!
00:00:23: Es wurde dann noch ein Benefizkonzert für ihn veranstaltet um die Krankenhausrechnung zu bezahlen.
00:00:30: Da kam natürlich auch nicht so wahnsinnig viel Geld drum.
00:00:32: Und das soll angeblich dann David Bowie seine Krankenhausrechnung bezahlt, haben ganz still und heimlich und leise ohne großes Aufheben – und das finde ich schon
00:00:41: sehr bemerkenswert.
00:00:53: von
00:01:15: Leckerkunst leicht verständlich.
00:01:17: Heute gehen wir einer Biografie nach, die mich sehr ergriffen hat.
00:01:21: bei meinen Recherchen in den neunzehundertachzigern der New Yorker Kunstszene bin ich immer wieder auf einen Namen gestoßen in den Büchern auf Klaus Asperberber auch genannt Klaus Nomi ein Deutscher der ausgewandert war.
00:01:34: und diese Geschichte hat mich so interessiert dass sich eine Buchautorin und die begrüße ich heute aus finde ich machen konnte Monika Hempel.
00:01:41: sie hat das Buch geschrieben Klaus Stimme im Orbit, erschienen im Reifer-Verlag.
00:01:47: Da kommen wir später drauf zu und ich begrüße jetzt erstmal in unserem heutigen Podcast Monika Hempel!
00:01:53: Ja hallo Michael.
00:01:54: das freut mich sehr dass sich bisschen was über Klaus Nomi sagen kann und über meine Recherchen.
00:02:01: Das ist eigentlich ein Thema.
00:02:02: zudem kann ich glaube ich ziemlich endlos reden Und ich bin gespannt auf deine Fragen.
00:02:08: Liebe Monika, ich hab ja schon anfangs gesagt.
00:02:11: Ich bin bei meinen Recherchen immer wieder auf einen deutschen Namen gestoßen, Klaus Sperber in der New Yorker Kunst und Underground Szene.
00:02:18: Und das hat mich so interessiert, dass sich diesen Namen näher recherchiert haben und bin auf eine unglaubliche Geschichte gestoßt und eine Biografie die echt herzergegreifend ist.
00:02:28: Und Klaus Spärber hatte auch im August diesen Monats seinen Todestag.
00:02:34: da kommen wir später drauf zu.
00:02:35: was war deine erste Begegnung?
00:02:38: mit Klaus Sperber, dass du später darüber ein ganzes Buch geschrieben hast.
00:02:42: Ja also ich bin Klaus Nomi tatsächlich das erste Mal begegnet als er im Fernsehen aufgetreten ist, neun zwartzwonen achtzig da war ich so fünfzehn ungefähr und da hatte er einen Auftritt bei Thomas Gottschalk in der Sowas.
00:02:58: damals hat er mich eigentlich ziemlich schockiert.
00:03:00: Also ich konnte irgendwie mit seinem Aussehen und auch seiner Stimme sowas hatte ich vorher noch nie gesehen konnte ich gar nicht so viel anfangen und war sehr irritiert.
00:03:12: Das hat überhaupt nicht in das sonstige Musikschema.
00:03:16: was ich sonst so gehört habe, gepasst.
00:03:19: So etwas weiß ich Duran Duran oder Depeche Mode oder so.
00:03:22: das waren alles ja junge Männer und Klaus war eben so eine totale Kunstfigur.
00:03:29: aber offensichtlich hab ich ihn nie vergessen seitdem obwohl ich am Anfang so irritiert und verstört war und als sich dann den Kohl Song viele viele Jahre später gehört hat von ihm.
00:03:40: Das hat mich dann total geflasht und ich hab gedacht, wer ist das?
00:03:43: Ich habe erst gedacht, dass sein amerikanischer Sänger.
00:03:46: Gehen wir einmal da zu dieser Biografie näher ein.
00:03:49: du hast ihn ja richtig recherchiert.
00:03:52: soweit ich informiert bin hast Du vierzehn Kisten aus seinem Nachlass zur Verfügung gehabt und konntest dort ganz tief in die Recherche gehen.
00:04:00: fragen wir mal zu Beginn Wer war Klaus Sperber?
00:04:04: Seine Geschichte beginnt glaube ich.
00:04:09: mit einer Evakuierung in den... Was war das für ein Kind?
00:04:13: Wo wurde er geboren, wer war er?
00:04:15: Seine Mutter kam aus Essen.
00:04:18: Und wo sie wohnte, das wurde ... ... und sie hatte also keine Unterkunft.
00:04:25: Sie ist dann im fünften Monat schwanger zu einer Freundin ins Allgäu nach Immstadt geflüchtet.
00:04:31: Er hat dort eben gewohnt.
00:04:33: Und hat dort im Januar ... ... ihr Baby bekommen in einem katholischen Säuglingsheim.
00:04:40: für sie wahrscheinlich auch nicht einfach.
00:04:42: Sie war ne protestantische Frau, sie war ledig!
00:04:45: Sie durfte dann auf die ersten fünf Monate in diesem Säuglingsheim ihr Baby nur sonntags nachmittags für ein paar Stunden sehen.
00:04:52: das stelle ich mir eigentlich auch als ziemlich kithraumatische kindliche Erfahrung vor.
00:04:57: Ich
00:04:57: möchte da gleich nochmal einhaken.
00:04:59: ist denn über den Vater von Klaus Speer bei etwas bekannt geworden?
00:05:03: aus deinen Recherchen soweit ich informiert bin ist der Vater oder stammt der Vater nicht unweit von hier Dortmund im Ruhrgebiet?
00:05:11: Ja, der Vater hatte sich also auf der Geburtsurkunde eintragen lassen.
00:05:16: Also ist wohl dann ein paar Monate nach Klaus Geburt nach im Stadt gekommen und da ist eben als Adresse eine Dortmunderadresse und sein Name angegeben und das ja als Schlosser gearbeitet hat.
00:05:31: Es ist sehr wenig bekannt.
00:05:32: auch wann genau gestorben ist nicht bekannt ob es noch während des Krieges oder kurz danach war.
00:05:39: Es ist auch noch so eine Recherche, die für mich so ein bisschen offen ist.
00:05:43: Ob ich da mehr finden kann?
00:05:46: Soweit ich informiert bin, in den letzten Jahren geht die Mutter mit dem Kind zu ihren Eltern nach Langschädde.
00:05:53: Das ist auch nicht unweit hier zwischen Frontenberg im Bereich Oner und lebt erst mal dort.
00:05:58: Unter welchen Voraussetzungen wird das Kind und die Mutter leben sie dort?
00:06:02: Ja also die Eltern von der Frosch-Berber hatten eben dort auch nur Unterkunft gefunden, Ja, nicht sehr günstig war.
00:06:12: Es wurde immer gesagt, dass die Wände waren schimmelig und die Familie hat immer an Atemwegserkrankungen gelitten.
00:06:18: also das war eindeutig halt eine Notunterkunft nach dem Krieg gewesen Und die Mutter oder die Mutter von Klaus' Mutter Also die Großmutter hat dann auch einen Antrag auf ne Wohnung in Essen gestellt.
00:06:32: Da wurde er dann viel gebaut Anfang der fünftiger Jahre und da haben sie dann eben eine Neubauwohnung.
00:06:37: Ich komme Mitte der fünftiger Jahre.
00:06:39: Soweit ich weiß, ab neunzehntfünfzig lebt die Mutter und Eltern in Essen.
00:06:45: Klaus muss ungefähr seine Jugend verbracht haben, seine Kindheit.
00:06:48: Wie verlief sein Leben da?
00:06:50: In diesen erwachsenen neuen Essen!
00:06:52: Ja, also seine Mutter war ja dann berufstätig.
00:06:56: Und er ist dann nach der Schule oft zu seiner Tante gegangen und hat ihm dort Zeit verbracht ... Also die Frau Sperber hatte einen Bruder und dessen Frau hat sich eben den Klaus sehr gern gehabt und hat sich auch viel um ihn gekümmert.
00:07:13: Das war auch ein bisschen ... Die Wohnung war in der Gutenbergstraße, da war viel Verkehr am grünen Rand von Essen, also da konnte er auch mehr draußen spielen.
00:07:26: In der Biografie beschreibst du ja sehr schön es gab ein einschneidendes Erlebnis für den jungen Klaus, er wurde ja von der Mutter glaube ich auch musikalisch so ein bisschen erzogen und herangeführt an das Musikalische.
00:07:38: und dann gab's eine Schlüsselszene für ihn, da geht es um eine Elvis Presley Platte.
00:07:44: kannst du uns das einmal erklären?
00:07:45: Ja,
00:07:46: also er hat immer schon gerne Musik gehört und Radio gehört.
00:07:50: Und hat auch dazu immer gesungen... Ich glaube da war er so zwölf.
00:07:56: Er hat Elvis Presley für sich entdeckt und wollte unbedingt diese Schaltplatte King Creole kaufen und hat dann seiner Mutter Geld gestohlen um die Platte zu kaufen.
00:08:07: Hat sie dann heimlich gehört?
00:08:08: Natürlich hat die Mutter das irgendwann rausgefunden Und die Platte eben in den Geschäft zurückgebracht und gegen eine von Maria Callas ausgetauscht.
00:08:18: Das war für Klaus eigentlich dann auch gar nicht so schlimm, denn er hat dann irgendwie ... Also diese Frauenstimmen haben ihn schon immer fasziniert und Maria Callaz das war dann für sie also für ihn so die Königin der.
00:08:31: Der Sängerin.
00:08:33: Jahre später kam dann ein Highlight, als Maria Callas einen Konzert in Essen gegeben hat.
00:08:39: Da ist er dann auch hingegangen?
00:08:40: Ich glaube das war in twohundsechzig.
00:08:43: da war im Saalbau und Essentrat auf einer Deutschland-Europa Tournee.
00:08:48: Maria Callers live auf!
00:08:50: Da muss Klaus achtzehn Jahre alt gewesen sein und irgendwann hat er ja mal als Junge den Wunsch formuliert ich möchte so singen mit so einer Frauenstimme wie die Callas.
00:09:01: Das ist so eine der ganz bemerkenswerten Sachen über Klaus, finde ich.
00:09:08: Dass er als Kind gesagt hat, er möchte singen ... Wie diese Frau mit so einer Stimme und erfand es auch überhaupt nicht merkwürdig oder komisch.
00:09:15: Und ich als Teenager wurde oder so vielen Jungs, denke ich mal gerade in den fünftiger und sechziger Jahren wäre das ja vielleicht ein bisschen peinlich gewesen.
00:09:24: aber er war so dass war sein Ding und das wollte er durchziehen.
00:09:29: also das finde ich total bemerkenswert gerade in dieser Zeit
00:09:33: Das ist bemerkenswert.
00:09:35: Die heutige Zeit bezogen, würden wir Begriffe verwenden wie Queer Avangard oder hybride Figur die er dargestellt hat und wir müssen ein Begriff erklären.
00:09:45: ich glaube in seiner Geschichte geht der dann von Essen nach Berlin und möchte ja glaub ich auch Musik studieren.
00:09:52: Countertenor das ist ein feststehender Begriff.
00:09:56: was ist ein countertenor?
00:09:58: Ja
00:09:58: also zu Klaus seinerzeit Gabs oder Countertenneure waren damals fast vergessen oder unbekannt.
00:10:05: Also die haben ja sagen wir mal seit den neunzehnten, also in der Barockmusik haben ja nur Männer auf der Bühne gestanden.
00:10:12: das heißt die Frauenrollen wurden auch alle von Männern gesungen.
00:10:15: und eben in diesen künstlichen Stimmlagen damals waren dass die Kastraten Dann im neunzehnten Jahrhundert mit der romantischen Oper spielte Counter, also diese Stimmlage gar keine Rolle mehr.
00:10:27: Weil dann natürlich Frauen auf der Bühne standen die so Pran eben oder Mezzo oder Alt gesungen haben.
00:10:32: Da waren die Countertenörer eigentlich in der Oper zumindestens und auch in der klassischen Musik so ziemlich von der Bildfläche verschwunden.
00:10:40: nur in der Kirchenmusik in Großbritannien da gab es immer noch die Counter-Tenöre In den klassischen Chorwerken.
00:10:48: sagen wir mal Ja, der Barockmusik.
00:10:50: Und das wurde auch erst so langsam wieder in den sechziger Jahren wiederentdeckt bis es nach Deutschland kam.
00:10:58: Das dauerte noch ... Also ich kann mich noch erinnern... Ich war in den neunzigern Jahren das erste Mal in einer Oper, wo ein Countertenor gesungen
00:11:05: hat.
00:11:05: Den Begriff Countertenoren festgestehender Begriff, den erkläre ich an dieser Stelle nochmal ganz kurz für die Hörer.
00:11:11: Das ist eine Stimmlage, wo die jenseits der Tenorsstimmen der Männer die fraulich empfunden wird, würde man die Augen schließen.
00:11:20: Meint man das eine Frau in einer sehr hohen Dimmlagetonlage dort sinkt?
00:11:25: Könnte man das so vereinfacht
00:11:26: darstellen?".
00:11:27: Ja also es gibt natürlich auch unterschiedliche Stimmlagen der Countertenneure, welche die wie ein Sopran klingen oder welche wie ein Metzosopran oder wie ein Alt.
00:11:37: Aber im Prinzip ist es eben sonst eine Stimmlage, die man eher mit einer Frau assoziiert.
00:11:43: Und
00:11:43: der Klaus Sperber in seiner Jugend legt das für sich fest?
00:11:48: Ich möchte in so einer hohen Stimmlage singen und ich gehe nach Berlin!
00:11:52: Was ist da mit ihm in Berlin passiert?
00:11:54: Er hat ja das Studium ziemlich schnell nach zwei drei Monaten abbrechen müssen.
00:11:58: Ja also seine Gesangslehrer waren halt nicht drauf eingestellt.
00:12:02: Die Countertenneuer ... Stimme zu schulen, also es gab zu der Zeit eigentlich keine Gesangslehrer die Countertenneure ausbilden konnten.
00:12:11: Also sie haben zu ihm gesagt er hat doch eine gute Tenorstimme hatte er auch tatsächlich Die sollte er doch ausbild'n und das das hat ihm halt überhaupt nicht gefallen.
00:12:22: Er hatte eben so sein Ziel war wirklich die großen Aryan Der für Frauen geschrieben wurden von Wagner, also er war ein großer Wagner-Fan oder die Königin der Nacht in der Zauberflöte zu singen, oder in Rigoletto.
00:12:40: Er wollte eben diese Frauenrollen singen und da ist er natürlich bei seinen Gesangslehrern an der Universität ein bisschen aufgelaufen mit.
00:12:51: Deswegen hat er sich dann auch ziemlich schnell entschlossen das nicht vorzusetzen.
00:12:57: Teilweise finanzielle Probleme gegeben für ihn, aber ich denke mal der Hauptgrund war eben dass so seine Vorstellungen in diesen... Akademischen Rahmen einfach nicht passt.
00:13:07: Heute würde man ihn vielleicht so als bunten Vogel zu dieser Zeit bezeichnen, der sich also nicht angepasst hat den Norm dem Mainstream den Rahmen aber der zur falschen Zeit am falschen Ort war.
00:13:18: Er bricht das Unternehmen Berlin aber an dieser Stelle nicht ab sondern macht etwas anderes.
00:13:23: er geht als Platzanweiser zu deutschen Opa.
00:13:26: was nimmt er damit?
00:13:27: Er bleibt ja der Musik da und der Opa sehr nah dran.
00:13:31: Ja also
00:13:31: das war für ihn natürlich die Chance erst mal ganz viele zu hören.
00:13:36: Also sehen konnte er sehr meistens nicht, weil er ja so eher draußen an der Tür stand und zuhörte dann.
00:13:42: Er konnte aber die Oper natürlich auch oder die Bühne für sich selbst nutzen also dass er dann nach den Vorstellungen wenn wirklich alle Leute weg waren, konnte er sich auf die Büne stellen und für die anderen Platzanweisern sozusagen seine Stimme mal ausprobieren.
00:13:58: Es gibt da auch eine ganz eigentlich berührende kurze Dokumentation Fernsehen gemacht hat über die Delosionschließer in der deutschen Oper, wo er im Kreis seiner Kollegen zum Schluss eine Aria aus Latravjata singt.
00:14:12: Akcapella so aus dem Stand.
00:14:14: also das ist schon... Also mich berührt es immer sehr diese Szene!
00:14:19: Ja
00:14:19: ich habe auch Aufnahmen von Ihnen gesehen, diese berühmte Aufnahme in München, die mich sehr, sehr berührt hat.
00:14:25: Wenn man ihn dann singen hört und dabei die Augen schließt, ist es ein unbeschreiblicher Moment.
00:14:31: Wir haben so das Jahr neunzehntzehnteinzebzig.
00:14:34: Er ist immer noch in Berlin irgendwo festgebunden.
00:14:38: da entscheidet er sich was sein Leben völlig verändern wird.
00:14:42: zu einer sehr mutigen finde ich Entscheidung er geht mit drei hundert gespartem Dollar nach New York mit achtundzwanzig Jahren.
00:14:51: Er hat nichts, er hat vorher eine Ausbildung gemacht.
00:14:53: Er hat aber eigentlich nichts und geht mit Drona Dolan nach New
00:14:56: York.".
00:14:56: Was war jetzt das Entscheidende?
00:14:58: Für mich ist es total mutig!
00:14:59: Ja also er war natürlich trotzdem ein bisschen frustriert, dass er halt eigentlich... Also er wollte ja schon immer gerne Oper singen und hatte halt das Gefühl, dass in Berlin nicht so richtig weiter kommt.
00:15:13: Er dann im Kleistcasino.
00:15:16: Das war damals eine sehr co- Institution der queeren Szene hat er seine Opern-Arien gesungen, eben für ein queeres Publikum.
00:15:25: Was teilweise ihn sehr feierte.
00:15:28: Andere sagten immer, sie wollten lieber dahin gehen um zu tanzen und da stand er dann auf dem Stuhl und hat gesungen.
00:15:35: Und das hat sich eher genervt.
00:15:36: also er hat nicht so wirklich das machen können was er wollte.
00:15:41: Er hat dann Amerikaner kennengelernt.
00:15:44: auch mit dem ist er dann eben neunzigzehltzig nach New York gegangen.
00:15:49: Das ist jetzt für mich neu, das hat zusammen mit diesem Amerikaner nach New York gegangen.
00:15:54: Wie hat sich dann das Leben für ihn dort dargestellt?
00:15:58: Er hatte ja nicht viele finanzielle Möglichkeiten.
00:16:00: Er geht auf jeden Fall nach New-York.
00:16:02: und wie gestalten sich da die Anfangsjahre von Klaus Sperber?
00:16:05: Also
00:16:06: es ist für ihn am Anfang sehr schwierig weil seine Beziehung eben nicht hält er auch jetzt nicht so perfekt.
00:16:13: natürlich englisch.
00:16:16: Also heute, ich denke mal ist das natürlich einfacher.
00:16:19: Aber damals ... Er hatte zwar Englischunterricht in der Schule aber wie er auf das praktische Leben anzuwenden war muss man ja diskutieren, aber auf jeden Fall musste er sich natürlich irgendwie finanziell über Wasser halten hat dann alle möglichen Jobs angenommen eben wirklich in der Spülküche oder Blumen ausliefern und was er halt so machen konnte in Bäckereien, hat er dann gearbeitet.
00:16:46: In Cafés gekellnert also hat halt alles gemacht, wo er seine Hände drauflegen konnte.
00:16:56: Ist das ja nicht zu vergleich mit dem New York der heutigen Zeit?
00:16:59: Ich glaube, die in New York zu dieser Zeit, in den siebziger-achzehn Jahren stand kurz vor einem Bankrott auch.
00:17:04: Die Mieten waren sehr gering, jeder musste sich auf der Straße durchkämpfen.
00:17:08: überhaupt nicht vergleichbar mit dem heutigen New York.
00:17:10: Der Begriff Leimtarte oder Lämontat Schwarzwälder Kirsch Damit machte er sich irgendwann einen Namen und soll sogar das Guggenheim-Museum damit beliefert haben.
00:17:21: Er hat ja in der East Village gewohnt, das war damals so eine relativ runtergekommene Gegend ist jetzt total hip und teuer.
00:17:29: aber es gab halt noch einigermaßen günstige Wohnungen auch viele Clubs dann wo man ausgehen konnte und er hat dann tatsächlich in seiner Küche die Torte.
00:17:41: also nachdem er in Cafés und Konditoreien gejobbt hat.
00:17:47: Hat sich da halt die Rezepte angeeignet, also er hat wohl mal für einen österreichischen Konditor gearbeitet und hat sich dann natürlich die ganzen Tipps- und Rezepten abgeguckt und hat dann selbst diese Torten zu Hause gemacht und dann eben Restaurants Also Guggenheim Museum beliefert, also in seinem Nachlass habe ich da auch noch wirklich die Tabellen gefunden wie viele Torten er für dieses und jenes.
00:18:13: Und dass Guggeheim bereitet hat und welche und auch noch einige Rezepte diese allerdings ein bisschen kryptisch sind.
00:18:20: aus denen kann man nicht so ohne weiteres nachbacken.
00:18:23: Und irgendwann gelingt im Jahr was in Deutschland verwehrt geblieben ist.
00:18:30: Den Durchbruch.
00:18:32: Später, neunzehnneunzebzig kommt noch ein legendärer Auftritt.
00:18:35: ja was passierte da?
00:18:36: Neunzehnt achten siebzig.
00:18:37: er hat ja dann irgendwo in der Variette-Show über die wir über vier Tage gingen einen Auftritt.
00:18:43: Was war da?
00:18:43: da ging sein Sternjahr auf.
00:18:45: Ja also diese diese new wave Woldewild Show war eben eine Mischung wo Leute eingeladen wurden aufzutreten mit kurzen unter fünf Minuten Beiträgen und das konnte so ziemlich alles sein.
00:18:58: Eigentlich das konnte eine Tanzperformance sein, Gesangtsnummer oder ein Stricties.
00:19:06: Da war eigentlich keine Grenze gesetzt und er erschien da auch ganz unspektakulär angekündigt als Klaus.
00:19:13: Keiner wusste was passiert und er trat dann auf in einem schwarzen Bodysuit und einen durchsichtigen Regenmantel Wo sonst eigentlich eher ja immer Punk-Bands oder New Wave-Band spielen, hat er dann eine Opernarie gesungen.
00:19:30: Die eben auch von Maria Callas sehr bekannt war und man hört dann das Publikum im Hintergrund erst mal etwas irritiert am Ende aber kriegt da wahnsinnig viel Beifall für und weil wahrscheinlich viele noch nie vorher was aus der Oper gehört hatten Und vor allen Dingen, weil er halt auch wirklich so aussah wie ein außerirdischer.
00:19:56: Also das hat er natürlich auch so zelebriert.
00:19:58: am Ende kommen dann so Geräusche wie von einem davon fliegenden Raumschiff.
00:20:03: also er hat sich da als Außerirdischer stillisiert und das hat der ja dann auch weiterhin beibehalten.
00:20:11: Ja, das hat er perfektioniert nachher.
00:20:13: Wir sprechen ja hier immer wieder von Klaus Sperber und von dem Namen Nomi.
00:20:18: Dass uns nochmal auf diesen Künstlernamen Nomi eingehen?
00:20:21: Wie kam es dazu dass er sich dann später Klaus Nomi genannt hat?
00:20:25: wo kommt dieser Name her?
00:20:27: was für eine Verbindung besteht damit?
00:20:29: Also die Verbindung das ist eigentlich also Nomi war glaube ich ein Zufallsprodukt der Name dass er eigentlich mit einem Freund irgendwie in der Stadt unterwegs war und da hing ein Plakat für diese science-fictionen Zeitschrift, Omni.
00:20:43: Die hat also wissenschaftliche Artikel und auch Kurzgeschichten so von Isaac Asimov weiter veröffentlicht.
00:20:52: Und sein Freund hat das Plakat abgehängt mit nach Hause genommen und dann haben sie so rumgespielt mit dem Namen.
00:20:59: Irgendwie kam da Nomi zustande und er fand es gut weil das ja eben auch lautmalerisch für do you know me.
00:21:07: Und das hat er dann eigentlich, also es war genau zu der Zeit wo er diesen You Wave Word Will auftritt hatte.
00:21:13: Am Anfang hieß er nur Klaus und dann für die nächsten Vorführungen war er dann Nomi geworden.
00:21:20: Seitdem hat er sich auch immer Klaus Nomi genannt weil für die Amerikaner war Spurba ja auch ein bisschen schwierig.
00:21:28: Ja schwierig auszusprechen.
00:21:30: und dann kurz danach, neunundsebzig wird David Boy auf ihm aufmerksam.
00:21:37: Dann kommt wirklich der absolute Durchbruch.
00:21:39: setter den night live kennt jeder diesen show ein auftritt mit david boy.
00:21:45: Das verändert ja alles für ihn.
00:21:47: also das war er hatte ja dann nach dieser new wave wurde will schon auftritte in manhattan und ist auch aber war eben sehr lokal begrenztes publikum.
00:21:57: also sagen wir mal so wirklich die new yorker Kunst und Avon-Gards zähne kannte ihn, aber darüber hinaus nicht.
00:22:04: Und über David Bowie ist er dann natürlich zum US-Arbeit bekannt geworden.
00:22:11: Tatsächlich hat der David Bowye in den Neunzigzehnten kurz bevor er Berlin verlassen hatte dort mal getroffen auf dem Bahnhof Zoo.
00:22:18: Da hat Bowie Zwischenstationen gemacht um einen Zug.
00:22:22: nach Paris umzusteigen und Klaus hat ihm seinen Gepäck tragen helfen.
00:22:27: Freunde von Klaus in West-Berlin haben ihn eigentlich auch immer noch Überbriefe auf den laufenden Gehalten, was Bowie so in Berlin gemacht hat.
00:22:36: dann so neunzehntsechstenssextzig.
00:22:38: also es gab da schon Verbindung.
00:22:40: er hatte auch die Telefonnummer von Bowie in der Hauptstraße aber die hat er natürlich nie verwendet gehabt Aber es gab doch schon Überfreundeverbindung vorher.
00:22:51: Und deswegen haben sie sich ja dann auch.
00:22:53: als Boi in New York war, hatten Sie sofort gemeinsame Anknüpfungspunkte, gemeinsame Bekannte und ...
00:23:00: Ja, dieser Auftritt bei Saturday Night Live eher im Hintergrund mit einer zweiten Person Joan Arias, glaube ich macht ihn ja berühmt.
00:23:08: um Boi soll er noch vermittelt haben, damit er seinen ersten Plattenvertrag bekommt.
00:23:13: also Klaus Sperber aus dem Algol Über das Rohrgebiet nach Berlin, der nach New York ausgewandert ist bekommt dann seinen ersten Plattenvertrag in Amerika.
00:23:24: Passierte danach... Konntest du deinen Recherchen ermitteln?
00:23:28: Und wie kam es überhaupt zu deinen Recherschen?
00:23:30: Du sagst ja in deinem Buch, du hast vierzehn persönliche Nachlasskisten vor dir gehabt und durftest darin recherchieren.
00:23:37: Wie bekommt man dahin, dass man auch immer ein vierzehntnachlasskissen von Klaus Sperber-Nomi bekommt?
00:23:43: Ja ich hatte ja dann angefangen erstmal natürlich im Internet zu recherchiren... weil mich das interessiert hatte und fand eigentlich, dass es gar nicht so wahnsinnig viele Informationen über ihnen gibt.
00:23:54: Also meine Hauptinformationsquelle war damals der Filmsynomison von Andrew Horn.
00:24:00: Und ansonsten ... ja, fand ich, gab's eher so verstreute Hinweise aber es gab halt zum Beispiel keine konsistente Biografie in Schriftform damals.
00:24:12: Und dann hatte ich eben gelesen, dass seit dem Jahr zwei Tausend neunzehn die Harvard-Universität in den persönlichen Nachlass von ihm gekauft hat.
00:24:24: Dann war ich vor einigen Jahren sowieso in der USA und habe da eine Woche in Harvard verbracht und das Material ist halt ... Das Tolle an den US-Unis, das ist ja also für Recherchen sind die Bedingungen da ein Traum.
00:24:39: Also ich konnte da wirklich eine Woche in der Bibliothek, in der Theaterbibliotheks sitzen und mir da Kiste für Kiste kommen lassen und alles anschauen abfotografieren.
00:24:51: Ich musste mich auch nicht besonders für recht fertigen oder so dass sich dieses Interesse hatte.
00:24:56: Es hat einfach genug zu sagen.
00:24:58: Ich recherchiere zur Klaus Nomi und das fand ich ganz toll!
00:25:02: Wie spannend,
00:25:03: wie spannend muss das sein?
00:25:04: Ich sag mal du triffst für dich die Entscheidung.
00:25:07: ich will da näher drauf eingehen.
00:25:08: Ich will vielleicht eine Biografie über diesen vergessenen deutschen schreiben.
00:25:13: und ja der Unterschied, ich denke hier an den Datenschutz und viele, viele Hürden die man überspringen muss um hier Recherchen in Gang zu setzen kommt man nach Amerika einem werden vierzehn Kisten vorgesetzt.
00:25:25: Wie war das für Dich?
00:25:27: was hast Du da in den Händen gehalten?
00:25:29: bist Du da ein Ein Leben eines seit vierzig Jahren toten Menschen abgestiegen, was hattest du für Gefühle dabei?
00:25:35: Ja das war natürlich irgendwie schon ja teilweise sehr berührend weil es gab dann zum Beispiel einen Umschlag mit Fotografieren.
00:25:45: Mit Baby-Fotos von ihm, mit Fotos als Jugendlicher.
00:25:50: Klassenfotos, Konformationsfotost und so alles unsortiert unkategorisiert.
00:25:57: ja.
00:25:58: dann gab's natürlich einige persönliche Briefe die er bekommen hat von Freunden aus Berlin.
00:26:04: auch es gab seine gesamte Schallplattensammlung auch also alle Klassik.
00:26:09: Also er hatte eine riesen Wagner Sammlung zum Beispiel natürlich auch sehr viel von Maria Callas Elvis Presley, aber auch darüber hinaus wirklich.
00:26:19: Also er war schon ein großer Leidenschaft für die Musik war da.
00:26:24: was ich auch sehr spannend fand waren seine Zeichnungen.
00:26:27: also er hat wirklich dann anscheinend seine Kindheitszeichnung mit in die USA genommen gehabt.
00:26:32: Da waren also wirklich Zeichnen die er als sieben-acht neunjähriger gemacht hat.
00:26:37: Auch wirklich finde ich schon sehr talentiert.
00:26:40: Disney war damals ein großes Vorbild von ihm.
00:26:43: er mochte Märchen also hat also viele Märchenzzeichnungen auch gemacht.
00:26:47: Viele Disney Figuren und hat aber auch seine Karikaturen von Lehrern und später dann als... in den USA war, hat er dann auch Modezeichnungen gemacht und ja dann später auch seine Kostümentwürfe gezeichnet.
00:27:05: Also dieses bildnerische Material, das fand ich auch total beeindruckend.
00:27:10: also da habe ich ja auch einige Bilder in meinem Buch sind ja auch abgedruckt.
00:27:15: Ja sehr spannend!
00:27:17: Und das schließt auch wieder dem Bogen.
00:27:18: wenn sich vielleicht einige Hörer fragen wieso berichtet jetzt ein Kunst-Podcast über einen Sänger?
00:27:24: weil wir der Auffassung Teil dieser Auffassung, Klaus Sperber schrägstrich Nomi war ein Gesamtkunstwerk.
00:27:33: Seine Auftritte, seine Bühnenbilder wie er sich geschminkt hat.
00:27:38: Er war nicht nur Sänger, er war ein gesamt Kunstwerk und da sind wir uns einig Wenn ich an diese Zeichnungen von denen du mir schon erzählt hast, diese Kleidungsstücke die er selber entworfen hatte gezeichnet hat denke.
00:27:50: Denke auch gleich ans Bauhaus an Oskar Schlemmer der die Triaden auch selber gemalt hat erfunden hat also Kleidung Stücke die formalistisch geschnitten sind da sieht man das Klaus Sperber wahrscheinlich viele Talente hatte die du beschreibst.
00:28:05: Noch mal zu seiner Plattensammlung.
00:28:07: Stimmt ist, dass er auch Platten von Kraftwerk darunter hatte?
00:28:10: Ja es war eine Platte von Kraft Werk aber die muss von woanders her gekommen sein weil dies glaube ich als Nassam Tod erschien.
00:28:18: Aber ich glaub er warte tatsächlich auch mal in einem Konzert von Kraft werk in New York Anfang der achtziger Jahre sind ja dort aufgetreten.
00:28:25: also er war bei Nina Hagen und Also er hat schon auch natürlich geguckt, was sich so tut.
00:28:31: Er fand auf sie die elektronische Musik in Deutschland sehr spannend.
00:28:36: Das wäre eine Richtung, um die er gerne weitergegangen
00:28:39: wäre.
00:28:40: Kraftwerk erinnert mich jetzt daran auch an meine eigene Jugend.
00:28:42: Eine der ersten Platten, die ich hatte, Music Non-Stop von Kraftwerk, die rauf und runter lief.
00:28:48: Und auch wie Klaus Sperber, Nomi, sich geschminkt hat, erinnerte mich auch an ... Kraftwerk.
00:28:54: Kommen wir an Mats Sulk, hattest du in den persönlichen Recherchenunterlagen auch Verbindungen zu New Yorkern Kunstland gefunden?
00:29:00: Man sagte mir nach eine kurze Lesung mit Jean-Michel Basquiat der zu dieser Zeit sich auch in einer Glenn O'Brien Show TV Party Mad Club und Club Siebenfünfzig aufhielt.
00:29:14: dort sollen sie auch sich getroffen haben.
00:29:16: ja
00:29:16: also Ich denk mal, die Kunst- und Avangardszene in der East Village war ja relativ klein und überschaubar.
00:29:24: Das waren vielleicht zwei, dreihundert Leute maximal, die meisten kannten sich untereinander.
00:29:29: Er war zum Beispiel auch mit Keith Haring befreundet, mit Kenny Schaaf ... Und hat mit denen so kurze Videofilme gemacht.
00:29:38: Ja, Jean-Michel Basquiat war ja auch Teil dieser Szene.
00:29:44: Also in der Biografie von Basquiat wurde das eben auch geschrieben, dass er eine kurze Liaison mit Klaus hatte und angeblich seinen deutschen Akzent sehr sexy fand.
00:29:56: Kommen wir einmal zurück!
00:29:58: Wir sind jetzt in den neunzigundachtziger Jahren.
00:30:00: es gibt Probleme mit der Green Card.
00:30:02: Klaus ist Deutscher, er muss dauerhaft irgendwo jetzt wo sein Durchbruch geschafft ist in New York bleiben, in Amerika bleiben... Und dann kommt es zu einer Heirat mit einer Balletttänzerin, Melissa Moon aus Freundschaft heraus vermutlich.
00:30:16: Ja also er hatte ja das Problem dass er eigentlich für seine Social Security-Kart hat er natürlich falsche Angaben gemacht.
00:30:24: sein Vater wäre irgendwo aus aus Amerika gewesen aber er hatte halt keine Reisepapiere und in dem Moment wo er mal nach Europa auf Tournee gehen wollte brauchte er ja irgendeinen Pass.
00:30:35: Melissa hat ja auf einer Tournée der im mittleren Westen kennengelernt und wir haben sich wohl entsprechend geeinigt, dass sie heiraten.
00:30:43: Vielleicht war das für Sie auch von Vorteil, weil ich glaube, sie hatte dann auch meinen Engagement an der Bayerischen Staatsober als Tänzerin.
00:30:49: Ja also er konnte dadurch halt wieder reisen...
00:30:55: Weiterhin in den achtziger Jahren.
00:30:57: Sein Durchbruch ist irgendwie geschafft erst auf dem Zenit.
00:31:00: er macht zwei platten die auch veröffentlicht werden.
00:31:03: der durchbruch is halt in amerika Erfolgt, er wird aber auch nach deutschland eingeladen was wir schon gehört haben zu so etwas.
00:31:11: und dann schlägt das Schicksal zu.
00:31:15: Wir reden in den Achtzigern von der Krankheit AIDS, die noch nicht erforscht war.
00:31:20: Es kommt zu Stigmatisierung und das Schicksal schlägt Böseböse zu.
00:31:25: was passiert um ihn?
00:31:27: Also was man vielleicht noch vorab sagen kann ist dass Klaus eigentlich sein Leben lang nie so wahnsinnig super gesund immer war.
00:31:34: also er hatte ja ich hatte gesagt dass er schon als Kind eben mit einem Unvollheiten, Haus gewohnt hat mit Atemwegserkrankungen.
00:31:42: Auch als Student ... Die Profs haben immer geschrieben, er war sehr mehr abwesend als anwesende gesehen, weil der krank war und auch in New York.
00:31:52: dann in seinen Kalendern standen viele Arzttermine, viele Behandlungsbeginn-Behandlungsende.
00:31:59: Er war sowieso, denke ich mal ein fragiler Mensch und gesundheitlich.
00:32:04: Und dann war er natürlich da Als eines der ersten AIDS-Opfer, das hat ihn also wirklich gleich erwischt und Ende, Ende zweiundachtzig hatte er dann auch.
00:32:17: eben sollte er ja für sein zweites Album eine neue Europa Tournee machen.
00:32:21: Das konnte er dann gesundheitlich gar nicht mehr.
00:32:23: Also dieser Auftritt in München wo er den Coleson gesungen hat es war sein letzter offizielle öffentliche Auftritt dann gewesen und da war er also der der hat schöner, der das organisiert hat.
00:32:37: Er hat ihm gesagt, da war Klaus schon sehr geschwächt und als er ihn nochmal das kommende Jahr in New York besucht hat, weil er wirklich schuppiert erst mal wie schlecht es ihm ging und auch in was für... Miserablen Zuständen, also irgendwie die... Also Management haben ihn Klaus natürlich auch nicht gut behandelt finanziell.
00:33:00: Er hat bestimmt nicht das Geld bekommen was ihm zugestanden hätte und er musste darum schon kämpfen dass er für seine Wohnung ein Krankenhausbett kriegt.
00:33:11: Es wurde dann noch ein Benefits-Konzert für ihn veranstaltet, um die Krankenhausrechnung zu bezahlen.
00:33:17: Da kam natürlich auch nicht so wahnsinnig viel Geld drum und das soll angeblich David Bowie seine Krankenhausrechnungen bezahlt haben ganz still und heimlich und leise ohne großes Aufheben.
00:33:28: Und das finde ich schon auch sehr bemerkenswert.
00:33:31: Eine Neuigkeit, die mir so nicht bekannt war, dass uns da nochmal näher drauf eingehen.
00:33:35: Wir haben die Achtziger wir haben AIDS ist es nur nicht gut erforscht In diesem Zusammenhang auch das Kamposi-Sakom für die Hörer, die das nicht kennen.
00:33:44: Es gibt eine Ausbreitung der Krankheit wo dann schwarze Geschwüre flecken am ganzen Körper ersichtlich werden.
00:33:52: Er litt darunter also man konnte nach außen auch sehr stark sehen dass er erkrankt war.
00:33:57: Dadurch hat er seine Bühnenkostüme auch angeglichen so dass man das nicht sofort erkennen kann.
00:34:02: und es kommt zu diesem legendären letzten Auftritt in Dezember, in München bei der Klassik nacht.
00:34:10: Ich habe diese Aufzeichnung gesehen, ich war ergriffen wie er alleine die Bühne betreten hat.
00:34:15: Dark weiß geschminkt mit einem Kranz um den Hals aus dem Mittelalter in einen Bühnen-Outfit und wahrscheinlich zu verdecken wie die Krankheit schon vorangeschritten ist.
00:34:26: es ist ein legendärer Auftritt dieser Code Song.
00:34:29: was bedeutet dieser Auftritt allgemein für seine Biografie?
00:34:33: Ja
00:34:33: das ist natürlich schwierig.
00:34:34: jetzt so dass Nach vollenden Wissen wird er natürlich jetzt immer so als letzter Auftritt eines Sternen und stilisiert, aber er hat schon eine sehr große künstlerische Intensität.
00:34:49: Und obwohl er ja den Kurs um vorher auch schon ein paar Jahre immer mal gesungen hatte, also hat er trotzdem vor diesem Auftritt wirklich immer wieder geprobt.
00:35:00: Also das war ihm schon wichtig.
00:35:03: Auch das Kostüm ist sehr bemerkenswert.
00:35:06: Es geht zurück auf eine Kostüme-Zeichnung für die Oper Rigoletto von der Uraufführung in der Opera La Fenice, also nach der hat er das entworfen.
00:35:18: Er hat sich eben auch wirklich mit diesen Sachen beschäftigt.
00:35:21: Also er hat es auch ernst genommen – also für viele in New York seine Freunde und Bekannten, die fanden das.
00:35:27: Ich glaube sie haben so seine Opernleidenschaften.
00:35:30: vielleicht auch gar nie so richtig wirklich nachvollziehen können, weil sie halt mehr in diesem New Wave-Universum lebten oder das war ja was ganz anderes.
00:35:38: Aber die Opa und so die Geschichte der Opa war ihm wichtig!
00:35:42: Das zeigt das finde ich auch noch mal sehr eindringlich.
00:35:47: Am sechsten August, neunzeigendreiundachtzig... verstiebt er dann auch ziemlich einsam.
00:35:53: Wie ist man damals mit AIDS-Kranken umgegangen?
00:35:56: Teilweise wurden sie in den Krankenhäusern isoliert, das Essen wurde teilweise nur durch die Tür durchgeschoben.
00:36:02: Man wusste nicht wie wird AIDS übertragen.
00:36:03: Das sind alles Erkenntnisse, die der Mann heute hat.
00:36:05: Er ist ziemlich vereinsamt, ja verstorben.
00:36:09: Joe Arias war einer der Letzten, der irgendwie noch zu ihm gehalten hat, ihm auch die Hand gehalten hatte.
00:36:14: andere distanzierten sich auch körperlich, die ihn nicht mehr umarmt haben.
00:36:18: sehr trauriges Ende für eine Persönlichkeit, für einen sehr mutigen Mann.
00:36:22: Ein queere, hybride Figur, die zu falschen Zeit vielleicht oder als erster Vorreiter dort auftrat?
00:36:30: Was hat dich bei den ganzen Recherchungen persönlich am meisten berührt und hattest du im Gegenstand in der Hand ein Brief, ein Foto wo du sagst damit hatte ich nicht gerechnet und das gibt mir noch mal ne ganz andere Sicht auf diesen Menschen Klaus Schwerber.
00:36:43: Damals war für mich erst mal die Zeichnung natürlich eine unheimliche Neuentdeckung gewesen.
00:36:49: Und dann auch so seine ganzen Notizhefte, wo er selbst auch gedichte Liedertexte entworfen hat.
00:36:58: Davon hat er ja nur sehr wenig umsetzen können.
00:37:01: oder er hat zum Beispiel auch einen Text geschrieben, warum er ein großer Fan von Richard Wagner und Ludwig II ist.
00:37:09: Also diese persönlichen ... Bezüge, die fand ich sehr berührend.
00:37:15: Diese Texte hat er in Deutschland formuliert?
00:37:17: In seinen Tagebüchern oder in seinen Unterlagen oder auf Englisch?
00:37:20: Es ist falsch.
00:37:21: Also teilweise auf Deutsch und teilweise auf Englig.
00:37:23: Weil er wollte ja natürlich... Er hat ja in den USA gearbeitet.
00:37:26: also solide Texte sind dann oft auch auf englisch gewesen aber auch einige Gedichte über eine Freundin in West-Berlinen.
00:37:36: Ja so sehr kleine, vielleicht oft unfertige Skizzen entwürfe aber einfach schon schön.
00:37:46: Wieso war es dir so viel wert oder so eine Bedeutung hatte für dich, dass das einmal diese Biografie von diesem in Anführungszeichen vergessenen Mann der nach New York ausgewandert ist ja in einem Buch festgehalten wird und an dieser Stelle mache ich jetzt mal Werbung für das Buch.
00:38:04: wer das nicht hören möchte er kann an dieser stelle ausschalten.
00:38:08: Das buch heißt klaus nomi stimme im orbit ... ist im Reifer Verlag, ... ... zwei Tausend vierundzwanzig Ehrschiener, ... … zwohrenundachtachzig Seiten.
00:38:16: Was findet man in diesem Buch aus deinen Recherchen?
00:38:19: Was man so einen öffentlichen Quellen nicht findet... ... im Internetrecherchen vielleicht.
00:38:23: und warum war dir das so ein Anliegen?
00:38:25: Ja also ich denke was sich dort findet es eigentlich auch wirklich den Rückblick auf letztendlich... Die Lebensverhältnisse, die nach dem Krieg in Deutschland erst mal waren in den fünftiger, sechziger, frühen siebziger Jahren.
00:38:40: Was ihn ja natürlich auch geprägt hat und was mich ja auch geplägt hat dann also später ein bisschen die achtziger Jahre mehr.
00:38:48: aber natürlich ich finde ihnen Einfach eine faszinierende Persönlichkeit, weil er sich so wenig um oder so... Er hatte dieses Ideal.
00:38:58: So Grenzen spielen keine Rollen ob das Ländergrenzen sind, ob das Grenzen zwischen den Geschlechtern sind ob das Grenzen der Musikgenres sind oder so.
00:39:08: Also, das hat für ihn einfach keine Bedeutung gehabt.
00:39:12: Er hat immer gesagt, wenn er auf die Bühne geht, spielt das für ihn keine Rolle, ob ein Mann oder eine Frau ist?
00:39:17: Er isst dann einfach Nomi, dass es ein Wesen und ... Wenn er von der Bühnen runtergeht, ist es wieder was anderes.
00:39:23: aber ... Das fand ich eigentlich sehr, sehr eindringlich.
00:39:27: Und seine Friedensmission auch.
00:39:30: also er wollte ja den Menschen mit seiner Musik auch irgendwo was geben.
00:39:36: und wenn er wurde einmal gefragt, was seine Musik bedeutet.
00:39:39: Und der hat gesagt es bedeutet Liebe.
00:39:44: Ich denke mal das spürt man auch also, wenn man sich darauf einlässt.
00:39:48: Ja ich kann nur jedem empfehlen im Internet zu recherchieren.
00:39:52: da gibt's zahlreiche Videoclips und Aufnahmen von seinem Gesang die Augen dabei zu schließen um sich das einmal anzuhören.
00:40:00: Das wäre so eine Anschlussfrage zum Schluss hin.
00:40:02: War Nomi eine Bühnenfigur oder wurde Klaus sperrbar?
00:40:07: Irgendwann zu diesem Androgyn Wesen, Nomi.
00:40:10: Also seine Wunschvorstellung war ja immer so eine Art Comic-Figur zu werden.
00:40:17: also er hat gesagt Nomi Maus Mickey Maus Er war ein großer Fan von Walt Disney.
00:40:25: also er hatte diese Kunstfigur gelebt, aber er hatte natürlich auch ein Privatleben.
00:40:31: Er hat in sechs Leben ja.
00:40:32: also das war für ihn aber kein Widerspruch irgendwie.
00:40:37: Ich bedanke mich bei dir Monika für diese Einsichten und tiefen Hintergründe zu einem Menschen dem wir mit diesem Audio Podcast hier einmal gedenken wollen.
00:40:47: was dürfen wir noch erwarten?
00:40:48: es sind ja einige Sachen auch im Hintergrund die laufen wo man das Gedenken von Klaus Schwerber Nomi hochhalten möchte.
00:40:56: Was du davon den nächsten Jahr noch erwarten.
00:40:58: zu dieser Person, die ja leider viel zu früh verstorben ist.
00:41:02: Also jetzt hier für Deutschland gibt es eigentlich als Nächstes zu erwarten eine neue Dokumentation auf Arte.
00:41:12: das wurde von einem französischen Regisseur erstellt ist gerade in der Postproduktionsphase.
00:41:18: also ich sende Terminen wissen wir noch nicht aber das ist also auf jeden Fall im Kommen.
00:41:25: Und nächstes Jahr gibt es also im Theater einmal Recklinghausen, Düsseldorf-Dresden von Christian Friedl und Markus Schleinzer.
00:41:39: Also ich weiß gar nicht wie man das nennen soll Singenspiel, das klingt ein bisschen altmotisch aber auf jeden Fall einen Nomi musikalischen Abend und es wird auch einen Film geben von den beiden.
00:41:50: Der wird aber wahrscheinlich noch ein bisschen dauern, denn der muss erst noch gedreht werden.
00:41:54: Man wird dieser Ikone in einer Szene ist ja eine Ikone gewesen auch schon in den nachtzig Jahren.
00:42:02: Ja mit dem Brütefigur Alien singt da Conditor wie man ihn nennen möchte.
00:42:07: es war ein Pop-Counter-Tenor.
00:42:09: er hat zwei Welten oder drei Welten zusammengebracht die eigentlich nicht zusammen passen.
00:42:13: er hat es geschafft.
00:42:14: was wird am Ende von Klaus Sperber Nomi bleiben?
00:42:19: Ich denke, er bleibt für viele Künstler immer noch eine große Inspiration und vielleicht auch Identifikationsfiguren ein Stück weit.
00:42:30: Also viele Countertenneure die ich gesprochen habe haben sich immer auf ihnen bezogen als Inspirationen für ihren Berufswunsch auch.
00:42:41: Er spielt ja auch in der Popmusik.
00:42:43: DJ Hell hat ihn, ist auch ein großer Fan von ihm gewesen und hat Techno-Versionen gemacht.
00:42:49: Und das er wirklich so diese wahnsinnige Bandbreite musikalisch abdeckt.
00:42:54: Das finde ich nach wie vor spannend!
00:42:57: Wenn du magst zum Schluss hin wir machen an dieser Stelle nochmal Werbung für dein Buch.
00:43:01: Das mache ich mit gutem Gewissen.
00:43:03: Magst du den Hörer noch mal wo man dieses Buch erwerben kann?
00:43:08: Den Titel... den Leser da erwarten wird, wenn man diese sind.
00:43:13: Ja also das Buch kann man in jeder Buchhandlung bestellen mit Lieferam nächsten Tag wahrscheinlich.
00:43:19: Also es ist ja über die ganz normalen Großesten erhältlich natürlich auch online Erhältlich auch direkt beim Verlag Andreas Reifer verlag Andreas reifer direkt erhältlicht.
00:43:29: Das buch ist auch Reich illustriert würde ich sagen Mit über hundert Fotografien und auch Abbildungen seiner Zeichnungen.
00:43:40: Ja, geht eigentlich so seiner Lebensgeschichte nach und auch das Nomi nach Nomi spielt eine Rolle.
00:43:49: Die in den vierzig Jahren seit er tot ist im künstlerisch noch passiert ist was sich auf ihn bezieht.
00:43:55: also
00:43:55: ein spannendes buch.
00:43:56: ich werde es mir noch zulegen.
00:43:58: beim recherchen mich diese person sehr interessiert.
00:44:01: Ich bedanke mich heute bei die harmonika für diese tollen einsichten über einen gesamt kunstwerk über nomi ja eine gesamte Kunstfigur Und wir wollen mit diesem Podcast das Gedenken an diese Person erinnern, die heute oder in der letzten Woche ihren Todestag hatte.
00:44:19: Wir wollen daran erinneren, dass das Leben bunt ist und jeder das Recht hat so zu leben wie er möchte.
00:44:25: Herzlichen Dank!
00:44:25: Ja
00:44:26: ich danke dir auch.
00:44:27: Das war Lecker Kunst leicht verständlich ein Podcast von und mit Mino.
00:44:33: Du kennst Menschen, die sich für die Kunst interessieren könnten?
00:44:36: Dann teile diesen Podcast doch gerne mit ihnen oder gib uns eine Bewertung.
00:44:40: Damit hilfst du auch anderen, uns zu finden.
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